De Kretenstein am Hellerunger Schlosse

Geht me ofs Schloß
un guckt sich's ahn,
do sieht me linker Hand
e Stein met armer Krete drahn
so mannshoch an d'r Wand.

So mancher sieht den ohl' n Stein,
fraht sich. 'Was soll de Bedeutung seit"
Drum will ich uch erzähle,
wie de Saje geht,
wie es in ohlen Bichern steht.

Vor langer Ziet, da baute sich
das SchIoß e Edelmann.
Der hatte veel Geld,
ganz ferchterlich,
drum fing e frehlich an.

Im Borntale, do lät e ohler Bruch,
von Weje rechts, so hunnert Sprung,
do holt e sich de Steine her.
o giwwets hiete noch jenung.

Wie's awwer so beim auen es
wo's Geld wie Schamm vergeht,
so wars au bei oen richen Herrn.
Es kam e sch imme Zat.

Das Schloß war fertch.
De Kasse leer !
Ganz traurich war d' n Herrn d'r Sinn
denn in den Bittel war nischt m
als nur e einzjer Heller drin.

Er nimmt d' n halwen Fenk,
wankt us d'r Burg,
de Beine wern ihm schwach.
Er geht vor sich henn, ins Blaue nien,
bis an e klei'n Bach.

Do sitzt ne Krete offen Stein,
die macht do ehre Rast.
Der Herre nimmts Geld,
wirft's ins Wasser nien, un saht:
"Das is der ganze Rest,
den de mir jelassen hast !"

Un wie er wedder heime geht,
do ließ er nach kurzer Ziet
e Kretenbild in de Muer mache,
so wie me's hiete nach sieht.

Der Bach, in den er awwer schmiß
den Heller wutentbrant,
der werd bis ot d'n heit'en a
der "Hellerbach" jenannt.
In der Mitte von Sangerhausen und Sömmerda unweit der Sachsenburgen am Anstieg von hoher Schrecke und Schmücke im Helderbachtal liegt etwas versteckt die Wasserburg und Festung Heldrungen.
Ursprünglich als Fliehburg errichtet, entstand an dessen Stelle im 12.Jahrhundert die erste Burganlage, die später zum Renaissancewasserschloss ausgebaut wurde. Von 1512 bis 1519 ließ Graf Ernst II. von Mansfeld die Burg zu einer gewaltigen Festung mit Wällen, Bastionen und Gräben ausbauen, die heute noch gut erhalten sind.
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