Burg Wendelstein

Auf schroffem, zerklüftetem Gipsfelsen erhebt sich über dem linken Flussufer die Ruine der Burg Wendelstein. Weißgrau leuchtet ihr Mauerwerk, trotzig blickt die Burg ins Tal.
Die Burg setzt sich aus Bauten und Bauteilen ganz verschiedener Zeiten zusammen, ein buntes Durcheinander von Mauern, Türmen und Trümmern, bewohnten Gebäuden und Ruinen, die einen malerischen, aber auch trostlosen Eindruck machen. Giebel und Zinnen, Zeugen eines prunkenden Bau- und Lebensstiles, erzählen von großen Ereignissen und glanzvollen Zeiten.
Als man im 19. Jahrhundert auf dem Burggelände baute und Ausschachtungen vornahm, stieß man auf Tongefäße aus vorgeschichtlicher Zeit. Aus ihnen konnte man schließen, dass der Berg schon sehr früh bewohnt war. Wahrscheinlich hat er eine alte Kultstätte getragen, auf der heidnischen Göttern geopfert wurde. Dass mit ihr eine Wallburg verbunden war, ist anzunehmen. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass auf dem Wendelstein schon in sehr früher Zeit Gericht gehalten worden ist.
Wann die erste steinerne Burg gebaut wurde, ist unbekannt. Vermutlich haben die Sachsen nach der Teilung des Thüringer Königreiches auf dem Wendelstein eine Grenzfeste gegen die Franken errichtet. Hier war ihres Landes "Ende und Wende". Davon soll ja der Name "Wendelstein" kommen. Eine andere Deutung sagt, der Name hänge mit den "Wenden" zusammen. Weiterhin gibt es die Deutung, dass es von dem Bergfried, der aus dem gewachsenen Fels herausgearbeitet ist, kommt, an dem sich außen eine Treppe in die Höhe windet.
Von hier konnten die Sachsen die Grenzlinie, die an der Unstrut verlief, gut einsehen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass erst die sächsischen Könige den Wendelstein zum Schutz ihrer Pfalz Memleben befestigt und eine Burg errichtet haben, die ihnen Zuflucht in unsicheren Zeiten gewährte. Weder das eine noch das andere ist urkundlich nachzuweisen.

Kapelle

Von der Burgkapelle sind noch einige Reste erhalten. Vier gewundene und gezierte Säulen tragen ein Kreuzgewölbe, wahrscheinlich eine Empore, auch ein paar Figuren sind noch zu erkennen, in Stein gemeißelt, Spätgotik im Übergang zur Renaissance, leider alles von den Schweden, die im Zeichen des Kreuzes kämpften, bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Östlich schließt sich an die "niedere Burg", über einen schmalen Vorhof erreichbar, die "hohe" oder "obere Burg" an, die um einen großen rechteckigen Hof angelegt ist.

Freitreppe

Auf der Hofseite des Zuganges zur hohen oder oberen Burg steigt eine doppelseitige, überdachte Freitreppe zum Ober-geschoß des Torbaues auf.

Geschichte von Burg Wendelstein
Architektur

Ältere und jüngere Bauteile stehen bunt durcheinander. Aus dem Jahre 1596 stammt das „Neue Schloß“, das die Ostseite des Platzes einnimmt. Der Baumeister hieß Heinrich Fuß, er hat - vor allem an den Portalen - Geschmack entwickelt und bewiesen, dass er von der Antike, die ja der Renaissance zum Vorbild diente, etwas verstand.
Den Treppenturm, der zu drei Achteln aus der Mauer hervortritt und mit 70 Stufen nach oben führt, betritt man durch eine Tür, an der der Kunstfreund Elemente des sogenannten Florisstils erkennt über ihr sind die Initialen W. D. v. W. und das Wappen des Schlossherrn Wolf Dietrich von Witzleben in Stein gehauen. Rechts davon führt ein stattliches Renaissanceportal ins Erdgeschoß, von zwei graziösen ionischen Säulen und einem fein profilierten Gebälk eingefasst, über dem sich eine Attika und ein Giebel mit hübschen Beschlagmustern erheben.
Dem Haupteingang gegenüber liegt das alte „Ebenlebensche Schloss“, das die Herzöge von Sachsen-Weißenfels zu einem Jagdschloss umgebaut haben. Die von überkreuzten Profilstäben umrahmten Fenster stammen noch von dem spätgotischen Bau. Auch der Treppenturm, der zur Kapelle und zum Bankettsaal hinaufführt, ist noch alt. Ihn ziert ein gefälliges Renaissanceportal, das von Hermen und Fruchtkörben eingefasst ist. Vom Saal im bescheidenen Rokoko mit stuckierter Decke hat man eine prächtige Aussicht ins Tal. In der Kapelle steht noch der Stuhl, auf dem die „Herrschaft“ saß, auf Säulen ruhend und mit Köpfen verziert, sowie der Altar.
Die Westseite des Hofes nimmt das alte Kornhaus ein, in dem sich die Malztenne und sechs Schüttböden befanden. Es ist zu Wohn- und Lagerräumen umgebaut worden.

Die alte Burg

Ein gewundener Hohlweg führt uns hinauf zum westlichen Tor, dem sogenannten „Querfurter Tor“. Durch sein spitzbogiges Gewölbe betreten wir die Vorburg, die „alte Burg“, „niedere Behausung“, den „hinteren Ort“ oder wie sie sonst noch genannt wurde. Hier ist alles, was nicht zu Wirtschaftsgebäuden umgestaltet worden ist, ein wüster Trümmerhaufen. Reste von Wällen, Gräben und Bastionen zeugen von der Wehrhaftigkeit der Anlage. Wo das Haupttor zur inneren Burg führt, stehen noch Stümpfe von mächtigen Türmen, die den Eingang bewachten. Der eine hieß Nonnenturm; er wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden gesprengt und macht mit seinen zwei Meter starken, geborstenen und zerrissenen Mauern heute einen wehmütigen Eindruck.
Die Südflanke sicherte der Bergfried - rechts neben dem Tor -, der einen Durchmesser von 33 m hat und aus dem gewachsenen Fels herausgearbeitet ist. Man ersteigt ihn auf einem gepflasterten Weg, der sich außen an ihm zur Höhe windet und dem Turm - und damit wahrscheinlich auch der Burg - den Namen „Wendelstein“ gegeben hat. Die Plattform ist eingeebnet und mit einem Gärtchen geschmückt. Von hier hat man einen umfassenden Überblick über die gesamte Burg, aber auch einen herrlichen Blick hinaus in die Ebene, die sich ringsum in ihrer ganzen landschaftlichen Schönheit darbietet.
Unter den Gebäuden und Höfen der gesamten Anlage ziehen sich mächtige in den Felsen gehauene Keller hin, einige davon dienten als Gefängnisse und erinnern schon durch ihre Namen „Blaue Kappe“, „Grüner Esel“, „Dürre Henne“ und „Jungfrau“ an die Schrecken, die alle die durchmachen mussten, die den Herren da oben nicht genehm waren.

Hohe oder Obere Burg

Die „hohe“ oder „obere Burg“ ist um einen großen rechteckigen Hof angelegt. Der eigentliche Zugang zu diesem Teil liegt auf der Nordseite, wo eine Zugbrücke - heute ist es eine steinerne - über zwei tiefe Gräben zum Haupttor führte. Die Einfahrt konnte durch Fallgitter geschlossen werden. Im Durchgang lag die „Harnischstube“, der Raum für die Wächter.

Geschichte von Burg Wendelstein
Ca. 5 km nordwestlich von Memleben, schon von weitem zu sehen, liegt die Burg Wendelstein. Sie ist bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt gewesen. Bei Untersuchungen wurden Wallreste an der Nordwestseite des Berges gefunden. Die ältesten erhaltenen Bauteile der Burg stammen aus dem 15.-16.Jahrhundert.
Blick nach Memleben
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